Texte unserer Autorinnen und unser Autoren in der Krise

© Stefan Loeber

Sasha Marianna Salzmann

"Bloß nicht Japan"

Marina, die schon mal in der Hauptstadt gewesen war, sagte, man müsse ins GUM, das sehe aus wie ein Märchenschloss aus Marmor und Granit, mit geschwungenen weißen Treppen und das Dach sei wie ein riesiges Spinnennetz aus Glas über alles gespannt, so dass man eigentlich auch die ganze Zeit ...

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© Franziska Buddrus

Nadja Küchenmeister

"der große wagen"

ich sehe den großen wagen und alles, was war
niemand kommt gern am nachmittag an
ein herrlicher tag, mit weggerissenen bäumen ...

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© Gene Glover

Monika Rinck

"NOTATE"

Und ich hab am hellen Morgen im Prater Gespenster gesehen
Das glaubst Du mir nicht. Ich hab sie gesehen. Sie trugen Fell
am Kragen und an den Mänteltüren. Auch diese waren längs mit Fell gesäumt. ...

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© Dirk Skiba

Ulf Stolterfoht

"krähe geht kunst"

zentrale schneelandschaft mit schwertlilien, ananas und totem kapaun, da-
hinter verfallender tempel unter reichskriegsflagge und wimpel sv meppen.
der linke flügel des triptychons hingegen zeigt eine detailgetreue reproduk-
tion der hermann ...

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© gezett

Ursula Krechel

"Rückwärtsgehen"

Rückwärtszugehen, hat keinen guten Ruf. Wer zurückgeht, verdoppelt den Weg. Einmal doch ist er Schritt für Schritt an diesen Punkt gelangt, von dem er nun von neuem ausgeht, vielleicht ächzend, stöhnend, sich den Schweiß von der Stirn wischend. ...

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© Gerald Zörner

Nico Bleutge

"Vier Gedichte aus dem Zyklus schlafbaum"

pinien. einzelne zäune. einzelne liegende punkte
die tiere sein könnten. töne, verändert, säumen                                     
mit jedem schritt näher, ein klingeln, läuten ...

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© Tobias Bohm

Zaia Alexander

"BLAU, DÄMMERUNG"

Seit ich mit dem letzten Kapitel meiner Doktorarbeit begonnen hatte, sehnte ich mich schon morgens nach meinem Spaziergang am Nachmittag. Ich maß die Zeit bis zum Aufbruch an den Schatten, die sich über die Wege des Innengartens zogen. ...

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© Zaia Alexander

Antje Rávik Strubel

"Vom Überschwärmen der Grenzen"

Schon als Studentin war ich von einem Theaterstück angezogen, das mich mit jedem Lesen wieder neu fesselte und überwältigt zurückließ, ohne dass ich es gänzlich hätte entschlüsseln können: „Penthesilea“ von Heinrich von Kleist. Ich kannte kein anderes Stück ...

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© Laura Baginskin

Norbert Hummelt

"Minusio, Muzot"

Wieder muss ich mich in Locarno verlaufen und es ist fast dunkel, als ich den Molino dell’ Orso erreiche. Vor einem Jahr habe ich einen mit Bleistift beschriebenen, abgerissenen Zettel im Briefkasten des Hauses hinterlassen, in dem Stefan George seit 1931 die Winter und nach seiner letzten Ausreise ...

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Michael Opitz

"Warten ... "

In den letzten Jahren ist es Tradition geworden, dass die mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichneten Lyriker, wenn die Feierlichkeiten vorüber sind, einen Abstecher nach Wilhelmshorst machen, um im dortigen Peter-Huchel-Haus ihre Gedichte zu lesen. Als Ankündigung ist eine solche Veranstaltung ...

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Aris Fioretos

"Schwindel"

1. Am letzten Tag ihres Lebens erwachte Hilma Frost um kurz vor sechs. Es war ein Montag Ende August 1883. Ohne es zu ahnen, hatte sie noch achtzehn Stunden zu leben ...

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© Joachim Gern

Thomas Hettche

"Herzfaden" - Roman der Augsburger Puppenkiste

Das Mädchen riss sich von der Hand seines Vaters los und lief weg. Auf keinen Fall sollte er es weinen sehen, verstand es doch selbst nicht, weshalb es plötzlich so furchtbar traurig war, dass ihm die Tränen in die Augen schossen ...

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Ingo Schulze

"Die rechtschaffenen Mörder "

„Alles bestens“, sagte Viola, nachdem Norbert Paulini ihr die Lage erklärt hatte. „Habe ich mir fast gedacht.“
„Wir brauchen keine Angst zu haben“, sagte er. „Die Bücher sind unser Vermögen.“ ...

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© Felix Wilhelm

Nancy Hünger

"Im glücklichen Garten waren wir zuhaus"

Ich solle mir ein Gedicht aussuchen, eines von Peter Huchel, eines, das mich bewegt, mit ihm
in Fühlung bringt. Ich solle darüber sprechen, hieß es; und schon sah ich mich mit allerlei
Nöten konfrontiert ...

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© Bogenberger Autorenfotos

Henning Ziebritzki

"Sandstreifen, Menschenfleisch. Kindheitserinnerungen"

In einer meiner frühesten Erinnerungen sehe ich das Kind, das ich war, an einem Straßenrand spielen. Es ist die Straße vor unserem Haus, die unbefestigt war: in der Mitte die Fahrbahn, leicht gewölbt und voller Schlaglöcher, für die Fuhrwerke und die wenigen Autos, zu beiden Seiten ein Streifen sandige Erde, ...

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© Marko Martin

Marko Martin

"Ein Teppich in der Hollywood Road oder Die letzten Tage von Hongkong"

Angesichts der Fakten, des Offensichtlichen, des Nicht-länger-zu-Leugnenden, des bis zum Überdruss Kommentierten: Diese Müdigkeit, für Wochen. Irgendwann ein Zögern. Unwille auch, eine Art Dabei-gewesen-sein zu behaupten, um gegen etwas „anzuerzählen“. Hybris. Und dennoch. ...

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© franziska reck

Thomas Kunst

"ZANDSCHOWER KLINKEN" (Romanauszug)

ICH GEHE DEN WEG ZU MEINEM AUTO ZURÜCK, DAS ICH AM ANFANG
der Verlaatstraße in einer Seitengasse abgestellt habe. Mein Jahr in Levenhaug ist um. Meine Zeit mit Silje und Weißäuglein ist um. ...

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© privat

Durs Grünbein

"DER PAVILLON DES FRIEDENS"

Ein Herr an einem zierlichen Schreibtisch
berät eine Dame im eleganten Kostüm, die aussieht,
als hätte sie eben einen Einkaufsbummel unterbrochen: ...

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© privat

Matthias Weichelt

"ERSCHEINT DIE ZEITSCHRIFT NOCH?" - Nelly Sachs, Peter Huchel und „Sinn und Form“

Mit über siebzig Jahren, anlässlich einer Dankrede, erinnerte sich der 1903 geborene Peter Huchel an einen Brief, der ihn 26 Jahre zuvor aus Schweden erreicht hatte. ...

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